MOTHERLAND ist nicht mehr im Proof of Concept. Und genau deshalb brauchen wir jetzt ein starkes Netzwerk.
Heute hatte ich ein fast eineinhalbstündiges Gespräch mit Gesche Thörl und Leona Sophie Picker von Skale Campus. Skala Campus ist eine gemeinnützige Organisation aus der PHINEO gAG entstanden und begleitet Organisationen aus der Zivilgesellschaft dabei, nachhaltige Strukturen aufzubauen, strategisch zu wachsen und langfristig wirksam zu werden.
Vor einigen Wochen hatte ich Gesche geschrieben und sehr offen gesagt, dass wir Unterstützung brauchen.
Denn obwohl MOTHERLAND in den letzten Jahren gewachsen ist, wurde uns immer klarer, dass wir an einem entscheidenden Punkt stehen: Wir brauchen nicht mehr nur Projektförderung. Wir brauchen institutionelle Unterstützung und strategische Partner, die verstehen, was wir hier eigentlich aufbauen.
Das heutige Gespräch hat mir geholfen, diesen Punkt noch klarer zu formulieren. MOTHERLAND geht inzwischen ins dritte Jahr seit der Gründung. Und ich glaube, dass genau das ein wichtiger Moment ist. Denn wir sind nicht mehr in einer frühen Ideenphase. Wir sind nicht mehr einfach nur ein ambitioniertes High-Risk-Projekt mit einer interessanten Vision. Wir haben in den letzten Jahren bewiesen, dass wir liefern können.
Wir haben Fördermittel eingeworben.
Wir haben lokale Partnerschaften aufgebaut.
Wir haben Teams im Feld.
Wir haben funktionierende Projektstrukturen.
Wir haben erste technische Systeme entwickelt.
Wir haben Kleinbäuerinnen und Kleinbauern erreicht.
Und wir haben gezeigt, dass wir komplexe internationale Projekte tatsächlich umsetzen können. Natürlich stehen wir noch am Anfang dessen, was möglich ist. Aber wir haben den Proof of Concept geschafft. Und genau dadurch verändert sich jetzt auch die strategische Frage.
Es geht nicht mehr nur darum, ob MOTHERLAND funktionieren kann. Es geht jetzt darum, wie wir aus einer funktionierenden Initiative eine langfristig stabile Organisation und ein belastbares System aufbauen.
Unsere Vision ist dabei sehr konkret geworden.
In den nächsten fünf Jahren möchten wir 50.000 Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in Ostafrika erreichen. Den Nachernteverlust um 30% reduzieren und Einkommen, um mindestens 50% erhöhen. Nicht über zentralisierte Strukturen, sondern über lokale Impact Teams, die direkt in den Regionen arbeiten. Perspektivisch planen wir mit 25 lokalen Teams, die jeweils etwa 2.000 Farmerinnen und Farmer begleiten.
Im Mittelpunkt stehen regenerative Landwirtschaft, die Reduktion von Nachernteverlusten, klimaresiliente Anbausysteme, Einkommenssteigerung und lokale Wertschöpfung.
Parallel dazu entwickeln wir mit Lima einen KI-basierten WhatsApp-Client, der lokale Teams und Farmer direkt unterstützt. Gerade in Regionen, in denen klassische Beratungsstrukturen kaum zugänglich oder chronisch unterfinanziert sind, sehen wir enormes Potenzial darin, lokale Begleitung mit niedrigschwelliger digitaler Unterstützung zu verbinden. Aber eine der wichtigsten Erkenntnisse aus dem heutigen Gespräch war eine andere.
Organisationen wachsen nicht nur durch gute Projekte. Sie wachsen durch Beziehungen, Vertrauen, strategische Netzwerke und Menschen, die Türen öffnen.
Ich glaube, viele Organisationen im sozialen und gemeinnützigen Bereich kennen dieses strukturelle Problem: Für einzelne Projekte gibt es häufig Finanzierungsmöglichkeiten. Aber die eigentliche Organisationsentwicklung bleibt chronisch unterfinanziert. Dabei braucht nachhaltige Wirkung genau diese Strukturen:
Menschen, die koordinieren. Kommunikation. Strategie. Netzwerkaufbau. Fundraising. Partnerschaftsentwicklung. Operative Stabilität. Gute Governance. Langfristige Planung.
Wenn wir ernsthaft über Systems Change sprechen, dann müssen wir auch anfangen, die Organisationen hinter dieser Arbeit langfristig tragfähig zu finanzieren. Ein wichtiger nächster Schritt wird für uns deshalb ein bewusstes Netzwerk-Mapping sein.
Wir möchten die Menschen, die MOTHERLAND bereits kennen oder begleiten, aktiv einladen, gemeinsam mit uns darüber nachzudenken:
Wer könnte für diese Arbeit relevant sein?
Wer beschäftigt sich mit Ernährungssystemen, Food Loss, regenerativer Landwirtschaft, ethischen Lieferketten oder klimaresilienter Landwirtschaft?
Wer arbeitet vielleicht in der Lebensmittelindustrie, in Stiftungen, Family Offices, Impact-Netzwerken oder Unternehmen mit Bezug zu globalen Lieferketten? Wer könnte Türen öffnen?
Wer könnte uns mit Menschen verbinden, die diese Arbeit verstehen und unterstützen möchten?
Denn wir merken immer stärker: Die nächste Wachstumsphase von MOTHERLAND wird nicht alleine durch Förderanträge entstehen. Sie wird durch Beziehungen entstehen. Und ehrlich gesagt ist das auch eine persönliche Lernkurve für mich als Geschäftsführerin.
Ich habe in den letzten Jahren oft versucht, unglaublich viel Verantwortung alleine zu tragen. Wahrscheinlich kennen viele Gründerinnen und Gründer dieses Gefühl. Man ist gleichzeitig verantwortlich für Strategie, Finanzierung, Kommunikation, operative Umsetzung, Partnerschaften, Teamführung und Krisenmanagement und versucht dabei trotzdem, die eigentliche Vision nicht zu verlieren. Aber ich verstehe inzwischen, dass nachhaltige Führung nicht bedeutet, alles alleine zu stemmen.
Nachhaltige Führung bedeutet auch, andere Menschen bewusst einzuladen, Teil der Vision zu werden. Deshalb ist dieser Artikel auch ein offener Aufruf an unser Netzwerk.
Wenn ihr Menschen kennt, die sich ernsthaft mit Ernährungssystemen, Landwirtschaft, Food Supply Chains, Food Loss, regenerativer Landwirtschaft, KI im sozialen Kontext oder klimaresilienten Wertschöpfungssystemen beschäftigen, dann freuen wir uns sehr über Intros und Verbindungen.
Vielleicht kennt ihr Menschen in der Lebensmittelindustrie.
Vielleicht kennt ihr Stiftungen oder philanthropische Netzwerke.
Vielleicht kennt ihr Unternehmen, die sich mit resilienten Lieferketten beschäftigen.
Vielleicht kennt ihr Menschen, die verstehen, dass die Zukunft unserer Ernährungssysteme eine der entscheidenden Fragen der nächsten Jahrzehnte sein wird.
MOTHERLAND steht gerade an einem entscheidenden Übergang.
Die Vision ist klar.
Die ersten Systeme funktionieren.
Die lokalen Partnerschaften wachsen.
Der Proof of Concept ist geschafft.
Jetzt geht es darum, daraus langfristige Infrastruktur aufzubauen. Und ich glaube mehr denn je, dass genau das nur gemeinsam möglich ist.
Deshalb danke ich Gesche und Leona sehr für ihre Zeit, ihre strategischen Impulse und die ehrliche Unterstützung heute. Dieses Gespräch hat mir nicht nur geholfen, unsere nächsten Schritte klarer zu sehen. Es hat mich auch daran erinnert, dass Organisationen nicht alleine wachsen.
Sie wachsen durch Menschen, die bereit sind, gemeinsam Verantwortung für eine größere Vision zu übernehmen.


