Was wäre, wenn das Problem nicht die Ernte ist, sondern das, was danach passiert?
Warum MOTHERLAND 200 Menschen sucht, die bereit sind, jeden Monat 50 Euro in ein anderes Ernährungssystem zu investieren.
Wenn über Landwirtschaft in Afrika gesprochen wird, geht es fast immer um Produktion. Um Saatgut, Dünger, Bewässerung, höhere Erträge. Um die Frage, wie Kleinbäuerinnen und Kleinbauern mehr aus ihrem Land herausholen können.
Bei MOTHERLAND stellen wir eine andere Frage: Was passiert eigentlich mit dem Wert, nachdem die Ernte eingefahren wurde?
Denn genau dort beginnt ein Teil des Problems, das wir seit 2023 lösen.
Eine Farmerin kann eine gute Saison haben, ihre Bohnen ernten, trocknen, zum Verkauf anbieten und trotzdem wirtschaftlich kaum vorankommen. Nicht, weil es keinen Markt gibt. Sondern weil es oft keinen fairen Zugang zu diesem Markt gibt.
Wenn du heute verkaufen musst, ist der Preis von morgen irrelevant
Stell dir vor, dein gesamtes Jahreseinkommen würde innerhalb weniger Wochen geerntet. Du hast jetzt ein Produkt, das gelagert, transportiert, verarbeitet oder verkauft werden muss. Gleichzeitig brauchst du Geld: für Lebensmittel, Schulgebühren, Saatgut für die nächste Saison.
Vor dir steht jemand und bietet einen Preis. Du weißt vielleicht, dass deine Ernte mehr wert ist. Vielleicht sogar, dass derselbe Sack ein paar Wochen später oder an einem anderen Markt deutlich mehr erzielen würde.
Aber du kannst nicht warten.
Das ist kein Markt im Sinne echter Wahlfreiheit. Es ist ein Markt, in dem strukturell im Vorteil ist, wer Lagerkapazität, Marktinformationen, Liquidität, Transport und Zugang zu Käufern besitzt und im Nachteil, wer das nicht hat. An dieser Stelle wird Landwirtschaft zu einer Frage von Verhandlungsmacht.
Verlust ist mehr als eine verdorbene Tomate
Nachernteverluste werden oft sehr bildlich dargestellt: verschimmelter Mais, beschädigte Bohnen. Das gehört zur Realität, greift aber zu kurz.
Ein Verlust entsteht auch, wenn ein Produkt weit unter seinem möglichen Wert verkauft werden muss, weil Lagermöglichkeiten fehlen, Marktinformationen fehlen, kleine Mengen einzeln statt gemeinsam vermarktet werden oder Verarbeitung, und damit die höhere Wertschöpfung, anderswo stattfindet.
Dann ist die Ernte vielleicht nicht verloren. Aber ein Teil ihres Wertes ist es. Genau das interessiert uns.
In Siaya County, Westkenia, arbeiten wir heute mit rund 2.000 registrierten Farmer:innen. Für unsere Baseline 2026 haben wir 1.007 Farmer:innen aus 51 Farmergruppen befragt, rund 70 Prozent davon Frauen. 75 Prozent berichteten von Nachernteverlusten in der vergangenen Saison.
Das ist keine abstrakte Entwicklungsstatistik. Es ist ein wirtschaftliches Problem, denn bevor auch nur ein Kilogramm verloren geht, sind bereits Kosten entstanden: Land wurde vorbereitet, Saatgut beschafft, Arbeitszeit investiert, Risiken getragen.
Deshalb lautet unsere Frage nicht, wie wir armen Farmer:innen helfen. Sie lautet: Wie schaffen wir Bedingungen, unter denen landwirtschaftliche Unternehmer:innen einen größeren Anteil des Wertes behalten können, den sie selbst erzeugen?
Was MOTHERLAND konkret macht
Wir arbeiten nicht an einer einzelnen Intervention, sondern an mehreren Punkten derselben Wertschöpfungskette:
Wir unterstützen regenerative Landwirtschaft, weil wirtschaftliche Stabilität auf einem Boden beginnt, der langfristig produktiv bleibt. Wir arbeiten an besseren Methoden für Ernte, Trocknung und Lagerung, weil Qualität nach der Ernte nicht verloren gehen darf. Wir bringen Ernten von Farmergruppen zusammen, weil 2000 Farmer:innen gemeinsam eine andere Marktposition haben als 2000 Farmer:innen einzeln. Wir arbeiten an Marktverbindungen und lokaler Verarbeitung, weil die höhere Wertschöpfung nicht automatisch außerhalb der Region entstehen sollte. Mit Lima entwickeln wir ein digitales System, das landwirtschaftliches Wissen über WhatsApp verfügbar macht, einen Kanal, den viele Farmer:innen bereits nutzen. Und wir arbeiten mit Kindern und Jugendlichen, weil Landwirtschaft nur dann eine Zukunft hat, wenn die nächste Generation sie nicht vor allem mit Armut verbindet.
Das klingt nach vielen unterschiedlichen Dingen. Für uns gehört es zusammen: Wir wollen aus einer Wertschöpfungskette, in der Wert verloren geht, eine Wertschöpfungskette machen, in der möglichst viel Wert bei den Menschen und Regionen bleibt, die ihn erzeugen.
Was wir uns dabei nicht versprechen: dass jede Farmerin künftig über ihren Produktionskosten verkauft. Das könnten wir nicht garantieren, und ein solches Versprechen wäre unehrlich. Was wir uns vornehmen, ist etwas Überprüfbareres: Verluste reduzieren. Informationsasymmetrien verringern. Lagerung und gemeinsame Vermarktung ermöglichen. Marktzugänge verbessern. Und dadurch die Verhandlungsposition und den Anteil der Farmer:innen an der Wertschöpfung erhöhen.
Jetzt haben wir selbst ein Problem, das wir lösen müssen
MOTHERLAND wächst. Und damit kommen wir an einen Punkt, über den gemeinnützige Organisationen erstaunlich ungern sprechen: Gute Arbeit allein finanziert keine gute Organisation.
In den vergangenen Jahren konnten wir bedeutende Förderungen gewinnen. Institutionelle Förderer haben Projekte ermöglicht, auf die wir stolz sind. Aber Projektförderung hat eine Schwäche: Geld ist meist an ein bestimmtes Projekt, einen bestimmten Zeitraum und definierte Ausgaben gebunden. Das schafft Kontrolle. Eine Organisation braucht aber auch Dinge, für die sich schwerer ein hübscher Projektname finden lässt.
Wir brauchen Menschen, die Förderanträge schreiben. Wir brauchen Monitoring und Evaluation, Buchhaltung, Strategie, Organisationsentwicklung. Wir müssen gute Mitarbeiter:innen halten können. Wir müssen manchmal eine Idee ausprobieren, bevor dafür ein Förderprogramm existiert. Wir müssen auf eine Gelegenheit reagieren können, ohne sechs Monate auf eine Bewilligung zu warten.
Dafür gibt es einen unspektakulären Begriff: freie Mittel. Für uns sind sie eines der wichtigsten Fundraising-Ziele der kommenden Jahre. Freie Mittel kaufen keine Unabhängigkeit von Verantwortung. Sie schaffen Handlungsfähigkeit.
Deshalb suchen wir keine 200.000-Euro-Spende. Wir suchen 200 Menschen.
Wenn 200 Menschen MOTHERLAND mit jeweils 50 Euro im Monat unterstützen, entstehen 10.000 Euro im Monat und 120.000 Euro im Jahr an planbaren, freien Mitteln.
Wir nennen das 200 for MOTHERLAND.
Es ist kein anonymer Spendenaufruf. Es ist ein Kreis mit einer klaren Größe, einem sichtbaren Fortschritt und einem Platz für dich darin. [Stand: 0 von 200], wird auf unserer BCAUSE Spendenseite sichtbar sein und unsere Kampagne ist jetzt live.
Wir wissen, dass 50 Euro nicht für jeden Menschen wenig Geld sind. Deshalb tun wir nicht so. Aber genau darin liegt für uns der Unterschied zwischen einer spontanen Spende und einer Gemeinschaft, die eine Organisation trägt. Es geht nicht darum, einmal ein Problem zu finanzieren. Es geht darum, dauerhaft die Infrastruktur hinter der Lösung mitzufinanzieren.
Warum 50 Euro? Weil wir kein künstliches Versprechen machen wollen wie „Mit 50 Euro rettest du X Farmer:innen”. So funktioniert unsere Arbeit nicht, und so funktioniert nachhaltige Veränderung selten. Deine 50 Euro gehören nicht einer bestimmten Farmerin. Sie gehören zu etwas Größerem: Sie finanzieren das Team, das Programme entwickelt. Sie ermöglichen uns, weitere Förderungen einzuwerben. Sie tragen dazu bei, Daten zu erheben und Wirkung nachzuweisen. Sie geben uns Spielraum, auf Probleme zu reagieren. Und sie sorgen dafür, dass MOTHERLAND nicht nur dann arbeiten kann, wenn irgendwo gerade ein Fördertopf geöffnet ist.
Unser Ziel endet nicht bei 2.000 Farmer:innen
Bis 2035 wollen wir 25.000 Farmer:innen erreichen. Nicht 25.000 Menschen, denen wir einmal etwas geben. Sondern 25.000 Farmer:innen, deren wirtschaftliche Situation sich verbessert, weil weniger Ernte verloren geht, Böden regenerieren, Wissen zugänglicher wird, Märkte besser funktionieren und mehr Wertschöpfung vor Ort bleibt.
Wir wissen, dass wir das nicht allein schaffen. Das ist auch nicht der Plan. Wenn MOTHERLAND funktioniert, entstehen Strukturen, Wissen und Netzwerke, die sich weitertragen, auch ohne uns. Erfolg heißt für uns, überflüssig zu werden, Community für Community.
Dafür brauchen wir eine Organisation, die nicht von einem einzigen Fördergeber, einem einzigen Projekt oder einem einzigen guten Jahr abhängig ist. Deshalb diversifizieren wir jetzt unsere Finanzierung. Und deshalb beginnen wir bei Privatpersonen.
Die wichtigste Investition ist die, die man später nicht mehr sieht
Wenn ein Sack Bohnen nicht verdirbt, gibt es davon kein Foto. Wenn eine Farmerin einen besseren Preis verhandelt, entsteht daraus kein dramatisches Vorher-Nachher-Bild. Wenn eine Farmergruppe gemeinsam verkauft und dadurch ihre Position verbessert, sieht das von außen nach einem ziemlich normalen Geschäft aus.
Genau das ist der Punkt. Wir wollen, dass funktionierende Landwirtschaft normal wird. Dass eine gute Ernte zu einem guten Einkommen führen kann. Dass Menschen keine schlechten Preise akzeptieren müssen, weil ihnen Zeit, Informationen oder Alternativen fehlen. Und dass eine gemeinnützige Organisation irgendwann daran gemessen wird, wie viel Abhängigkeit sie überflüssig gemacht hat, nicht daran, wie viele Menschen dauerhaft von ihr abhängig sind.
Warum ausgerechnet MOTHERLAND
Es gibt tausende Organisationen und tausende Probleme, die Unterstützung verdienen. Unsere Antwort ist nicht, dass unser Problem wichtiger ist als alle anderen. Unsere Antwort ist: Landwirtschaft setzt an einem ungewöhnlich wirkungsvollen Punkt an. Wenn eine Farmerfamilie aus derselben Ernte mehr Einkommen erzielt, berührt das Ernährung, Bildung, Gesundheit, Investitionsfähigkeit, die Position von Frauen, lokale Wirtschaft, Bodenfruchtbarkeit und die Frage, ob die nächste Generation in Landwirtschaft eine Zukunft sieht.
Wir glauben an ein System, in dem das, was bereits erzeugt wird, mehr Wert entfalten kann, statt an eines, das immer mehr Input braucht, damit am Ende ein Teil davon verloren geht oder unter Wert verkauft wird.
Der Wert soll dort bleiben, wo er entsteht.
200 Menschen können uns verändern
200 Menschen × 50 Euro × 12 Monate bedeuten 120.000 Euro freie, planbare Mittel im Jahr. Das wird nicht unsere gesamte Arbeit finanzieren, und das soll es auch nicht. Wir sprechen weiterhin Stiftungen an, werben öffentliche Fördermittel ein, entwickeln Unternehmenspartnerschaften. Unser Ziel für die kommenden sechs Monate liegt bei insgesamt 200.000 Euro. Aber die ersten 120.000 Euro davon wünschen wir uns nicht von einer Institution. Wir wünschen sie uns von Menschen.
Vielleicht gehörst du zu diesen 200. Nicht, weil MOTHERLAND jemanden retten muss, sondern weil du die Idee teilst, dass Menschen, die Wert schaffen, auch eine faire Chance haben sollten, diesen Wert zu behalten.
Werde einer von 200.
Wenn dich diese Idee überzeugt, unterstütze MOTHERLAND mit 50 Euro im Monat über unsere bcause Spendenseite. Wenn 50 Euro gerade nicht passen, sind 10 oder 20 Euro genauso willkommen. Wenn du mehr geben kannst, hilft uns das, einen weiteren Platz in diesem Kreis mitzutragen. Und wenn du gerade nicht spenden kannst, schick diesen Text an jemanden, für den die Idee genau richtig sein könnte.
MOTHERLAND. Der Wert soll dort bleiben, wo er entsteht.




